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Open Source Software (OSS) oder wieso es Microsoft in 10 Jahren nicht mehr gibt.

Ich habe mich für die konsequente Umsetzung des Open Source Konzepts im Software Bereich entschieden.

Was ist Open Source Software (OSS) ?

Open Source, das heisst: die Quellen der Software sind frei verfügbar (liegen offen) und können gegebenenfalls verändert werden. Die Abhängigkeit von einer bestimmten Softwarefirma fällt weg. Natürlich braucht es für spezifische Aenderungen (falls denn diese notwendig sind....) Spezialisten, aber diese zu finden ist wesentlich einfacher als z.B. von Microsoft eine Anpassung in einem Office Programm zu erwirken.

OSS ist auch meistens kostenlos. Ein sehr verwandter Begriff ist „Free Software“. Die Unterschiede sind aber eher philosophischer Natur – siehe Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Source)

Verfügbare Programme

Viele gebräuchliche Programme sind schon als kostenlos als Open Source erhältlich:

  • OpenOffice mit Writer (Word), Calc (Excel), Impress (PowerPoint).

  • Firefox (Browser)

  • Thunderbird (E-Mail, Kontakte, Kalender)

  • Gimp (PhotoShop) usw.

 

Support

Der Support für OSS ist naturgemäss viel weniger organisiert, wer jedoch schon mal versucht hat bei Microsoft Support für ein spezifisches Problem zu erhalten, weiss dass er zwar vorhanden, aber je nach Problem schwierig zu erhalten und u.U. auch kostenpflichtig ist. Der Support in Firmen wird daher meistens von Informatik-Dienstleistern oder der internen Informatik-Abteilung geleistet.

 

Privatanwender hingegen sind hier auf das WWW angewiesen und eigentlich gibt es für alle Programme Support-Foren, wo Anwender Anwendern helfen. Die OSS Community ist auf diesem Gebiet einigies hilfsbereiter, hauptsächlich weil OSS noch nicht so kommerzialsiert ist. Die Programmierer haben ihre Software mit viel Herzblut entwickelt und sind stolz auf ihr Produkt, so dass Fehlerbereinigung auch eine Frage der Ehre ist.

Sicherheit

Häufig wird als Argument gegen OSS der Sicherheitsaspekt angeführt. Es wird bemängelt, dass durch die offen gelegte Architektur und die Verfügbarkeit des Quellcodes, Missbrauch begünstigt wird. Ich bin der Meinung, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Lücken im System werden viel schneller erkannt und können sogar durch den versierten Benutzer selber behoben werden – der Quellcode kann ja theoretisch durch die gesamte OSS-Community eingesehen, begutachtet, kontrolliert und korrigiert werden.

Nutzen von neuen Versionen

Ein Aspekt der Softwareweiterentwicklung ist der Einbau neuer Funktion, die Erweiterung der Nutzbarkeit. Jedoch wissen viele Softwareentwickler gar nicht mehr, wie sie ihr Produkt weiterentwickeln sollen. Ich bin der Meinung, dass viele Produkte gerade im Office-Bereich fertig entwickelt sind; es gibt gar keine neuen „Features“, die es noch braucht.

Das heisst allerdings auch, das keine neuen Versionen verkauft werden können..... - ohne neue Funktionen, keine neue Version, die sich vermarkten liesse. Dieses Problem hat sich zum Beispiel bei Windows Vista gezeigt, das vom Markt nicht akzeptiert wurde – zu gross die Angst vor Umstellung und zu klein der Nutzen. Gerade bei neuen Betriebssystemen lässt sich der Nutzen für Normalanwender schlecht begründen. Deshalb wird häufig mit schwer überprüfbaren Marketingfloskeln wie: „Noch sicherer“, „Noch einfacher“ usw. gearbeitet.

 

Es sollte sich aber immer die Frage nach dem Nutzen für den Anwender stellen. Man muss sich bewusst sein, dass die Softwareindustrie und z.T. auch die gesamte IT-Branche (man denke an Support und Schulung) nur überleben werden, wenn immer neue Versionen von Betriebssystemen und Anwendungen auf den Markt gebracht werden können. Wie viel einfacher und besser das Arbeiten damit aber ist, lässt sich nur sehr schwer kalkulieren – der Inhalt eines Textdokuments wird durch ein neues Textverarbeitungsprogramm ja nicht zwingend besser.

Als Negativbeispiel erinnere mich noch genau, als bei Office 2007 bzw. Word 2007 im Gegensatz zu früher kein Symbol für „Drucken“ mehr vorhanden war, an das sich Millionen von Anwendern gewöhnt hatten. P.S. Beim OpenOffice Programm „Writer“ ist das Symbol noch vorhanden...

 

OSS ist keinem kommerziellen „Update“-Druck ausgesetzt.

 

Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass ich mich auch in der IT-Branche bewege, aber bei der Flut von Updates, Upgrades und nutzlosen Anwendungen frage ich mich schon, wohin das noch führen soll.

Gerade hier haben Open-Source Anwendungen einen anderen Ansatz – da niemand für neue Versionen bezahlt, ist der Druck neue Versionen hauptsächlich aus finanziellen Gründen zu programmieren, nicht vorhanden. Im Open-Source Bereich erscheinen neue Versionen vor allem mit Fehlerbereinigungen (Updates) und nur mit wenigen neuen Funktionen. Häufig findet auch ein Umfrage unter den Usern statt, welche neuen Funktionen gewünscht und sinnvoll sind.

 

Im Bereich der Betriebssysteme hat der Marktführer Microsoft auch die Erfahrung machen müssen, dass vor allem kommerzielle Anwender nicht bereit sind, jeden Update mitzumachen. (Beispiel XP → Vista).

 

Ich sprechen natürlich hauptsächlich PowerUser an. Gerade der Wechsel im Desktop Bereich kann gewöhnungsbedürftig sein. Es gibt aber auch User die gar keinen Unterschied zwischen einem Linux Desktop (OSS) und einem Windows Desktop feststellen. Wenn man sich den Umgang mit OSS wie Firefox, Thunderbird und OpenOffice bereits gewöhnt ist, dürfte die Umstellung um so leichter fallen.

 

All diese Argumente führen zur unvermeidlichen Frage, was denn der Sofware-Marktführer Microsoft in Zukunft noch anbieten kann.

  • Desktop-Betriebssysteme → OSS gewinnt immer mehr Marktanteile, man denke nicht nur an Linux sondern auch an Android wo schon Pad Version erschienen und Google hat mit Chrome auch schon ein „quasi“ OSS Desktop Bestriebsystem am Start.

  • Server-Betriebssysteme → OSS ist mit Linux jetzt schon führend.

  • Desktop-Applikationen → Office kann nicht mehr besser werden, OpenOffice ist jetzt schon gleichwertig

  • Outlook/Exchange Groupware → kostenlose Alternativen stehen bereit.

  • Datenbanken: Microsofts MSSQL hat nie eine derart grosse Rolle gespielt.

 

Wieso hat es OSS so schwer ?

 

Man muss bedenken, dass bei bezahlter Software ein erheblicher Teil der Kosten ins Marketing gesteckt wird. Dadurch ist Bezahlsoftware natürlich viel präsenter. Microsoft hat jahrelang daran gearbeitet, dass mit Office hauptsächlich der Name Microsoft verknüpft wird. „Excel“ , „Outlook“ , „Powerpoint“ sind sogar geschützte Marken von Microsoft. Allerdings sind in Deutschland „Office“ und „Word“ allein als Marke nicht geschützt – lassen sich wahrscheinlich nicht schützen. (Recherche http://register.dpma.de).

 

Ebenfalls viel Geld wird ausgegeben für das Privileg eine Software auf einem neuen Computer vorinstallieren zu dürfen. Hardwarehersteller erhalten Sonderkonditionen oder sogar Gutschriften dafür, dass sie ein bestimmtes Betriebssystem - natürlich Microsoft Windows - und bestimmte Pakete (Microsoft Ofiice Trial, Norton Security etc.) vorinstallieren. Hardwarehersteller profitieren naturgemäss auch davon, sie können ebenfalls mit der neuen Software argumentieren..

Grosse Softwarehersteller geben auch sehr viel Geld für das „Lobbying“ aus. Vorallem Entscheidungsträger aus der Politik sind oft überfordert und lassen sich von Lobbyisten beeindrucken. Häufig hört man bei OSS die Bedenken, dass niemand für die Software verantwortlich zeichnet. Das ist richtig. Aber wenn man die Lizenzveträge bei Bezahlsoftware genau studiert, stellt man fest, dass die Entwickler sich auch absichern und z.B. Schadenersatz durch den Einsatz von fehlerhafter Software von vornherein ausschliessen. Support wird zwar gewährt, aber wer schon einmal probiert hat, als einfacher Anwender Support von Microsoft zu erhalten, der ist schnell einmal enttäuscht. Die Systeme sind heutzutage so komplex, dass es ein leichtes ist, andere für einen Fehler verantwortlich zu machen. Der Laie kann die Kette der Verantwortlichkeiten kaum nachvollziehen.

Softwareentwicklung

Auch für Softwareentwickler bringt der Einsatz von OSS meines Erachtens viele Vorteile. Mittlerweile gibts für die meisten Programmiersprachen und -system freie Entwicklungs­umgebungen (OSS) . Die Kosten für die früher sehr teuern Entwicklungsumgebungen fallen weg. Viele Softwarekomponenten sind als Open Source erhältlich und können gegebenenfalls adaptiert werden.

Ausblick

Auch im stark wachsenden Smartphone hat OSS Einzug gehalten. Das Handy Betriebsystem Android ist quelloffen (OSS) und basiert auf einem Linux-Kernel. Android wird 2011 das meist installierte Handybetriebssystem sein. Als OSS ist Android offen für alle Hersteller und gut dokumentiert, das zeigt sich auch mit der rasenden Entwicklung von neuen Features. Andere Hersteller mit geschlossenen System wie Apple (iPhone) hinken mittlerweile hinterher. Microsoft versucht zusammen mit Nokia eine Lancierung von WindowsMobile – aber auch mit einem geschlossenen System.

Ich bin überzeugt, dass die OSS Vertreter „Android“ (Smartphone und Tablet-PC), sowie Googles Betriebssystem „Chrome OS“ (basierend auf Linux), der Open Source Software auch auf dem PC zum Durchbruch verhelfen werden.

 

Martin Kopp, im Januar 2011

Aktualisiert (Dienstag, den 25. Oktober 2011 um 22:26 Uhr)